Umbau Bahnhofsvorplatz: Chancen und Risiken für Leichlingen
Die Stadt Leichlingen steht vor einer großen Entscheidung: Der Bahnhofsvorplatz soll umfassend umgebaut werden. Was als wichtiger Schritt für die Mobilität und Attraktivität der Stadt gedacht ist, wirft bei genauer Betrachtung viele Fragen auf – von den Kosten über die Planung bis hin zur praktischen Umsetzung.
💰 Kostenexplosion und Förderunsicherheit
Noch im September wurde das Projekt mit 1,55 Mio. Euro veranschlagt, wovon 75 % Fördermittel (ca. 1,16 Mio. Euro) erwartet werden. In der aktuellen Vorlage ist jedoch von 1,9 Mio. Euro die Rede. Damit steigt der Eigenanteil der Stadt auf 475.000 Euro, die aus eigenen Mitteln bereitgestellt werden müssen.
Die Kostensteigerung ergibt sich nicht nur aus Bauarbeiten, sondern auch aus Grunderwerb (112.000 €), Planungskosten (147.000 €) sowie zusätzlichen Maßnahmen wie Kiss-&-Ride-Plätzen und P+R-Zufahrten. Bemerkenswert: Der städtische Eigenanteil ist nicht fix, sondern hängt direkt von der Förderquote ab – er könnte also noch weiter steigen.
Ein Blick auf andere Projekte zeigt, wie riskant solche Kalkulationen sind: Bei der Sanierung des Freibads stiegen die Kosten von rund 3 Mio. Euro (2021) auf 5,2 Mio. Euro (2022), während die Förderung bei 1,4 Mio. Euro unverändert blieb.
📑 Planungslücken und offene Fragen
Die Planung ist noch nicht endgültig. Straßen NRW hat bislang nur Variante 3 zugestimmt, während die Stadt eigentlich Variante 2 umsetzen möchte. Ohne Zustimmung des Landes könnte das Projekt blockiert oder verzögert werden.
Hinzu kommt: Die bereits vor längerer Zeit beschlossene öffentliche, behindertengerechte Toilette ist im aktuellen Konzept nicht vorgesehen. Gerade an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt wäre diese Einrichtung unverzichtbar, um echte Barrierefreiheit zu gewährleisten.
👥 Personalmangel und parallele Großprojekte
Die Stadtverwaltung kämpft seit Jahren mit personellen Engpässen. Projekte wie die Sporthalle Am Hammer oder das Alte Rathaus ziehen sich hin. In derselben Ratssitzung soll sogar der Planungsauftrag zur Schützenstraße von 2018 aufgehoben werden – schlicht, weil die Umsetzung aufgrund fehlender Kapazitäten im Tiefbauamt nie erfolgte.
Gleichzeitig stehen große Aufgaben an:
- Planung und Neubau der Sekundarschule
- Fertigstellung der Grundschule Büscherhöfe (nun für Sommer 2026 geplant, statt ursprünglich 2022)
- weitere Sanierungs- und Bauprojekte im Stadtgebiet
Die Frage bleibt: Kann die Verwaltung den Umbau des Bahnhofsvorplatzes zusätzlich stemmen?
⏱️ Zeitdruck und Bauphase
Besonders ambitioniert ist der Zeitplan: Bereits Mitte Dezember sollen die Bauleistungen ausgeschrieben werden, damit die Umsetzung während der Sperrpause der Bahn (Von Februar bis Juli 2026) erfolgen kann. Ziel ist es, die Bauarbeiten in dieser kurzen Phase abzuschließen – ein sportliches Vorhaben, das bei Verzögerungen schnell ins Stocken geraten könnte.
🚌 Busverkehr während der Bauzeit
Ein entscheidender Punkt fehlt bislang völlig: Wo sollen die Busse während der Bauphase halten?
- Durch den Schienenersatzverkehr wird die Zahl der Busse erheblich steigen.
- Ein Halt an der Hauptstraße würde zu massiven Verkehrsbehinderungen führen.
- Eine Verlegung an weiter entfernte Haltestellen würde die Nutzung der P+R-Plätze untergraben, da Fahrgäste dann in der Nähe der Ersatzhaltestellen parken würden.
Die Erfahrungen mit dem Kreisverkehr am Rathaus (Fertigstellung über ein Jahr verspätet) oder der Grundschule Büscherhöfe zeigen, wie schnell Bauprojekte ins Stocken geraten können.
🌍 Klimaschutz und Leitbild
In den Vorlagen wird das Projekt zwar mit den Leitbild-Zielen „Nachhaltiges Wohnen“ und „Mobilität“ verknüpft, doch die Bewertung bleibt oberflächlich. Auch beim Klimaschutz wird lediglich der CO₂-Ausstoß erwähnt – konkrete Maßnahmen oder Einsparungen sind nicht benannt. Für viele Bürger, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, wirkt das unzureichend.
⚖️ Nutzen für die Bürger
Der eigentliche Mehrwert für die Nutzer bleibt begrenzt. Zwar soll der Bahnhofsvorplatz attraktiver und sicherer werden, doch die zentrale Frage bleibt: Wird der Umstieg zwischen Bus und Bahn wirklich einfacher?
Gerade für Ortsfremde, Senioren und Menschen mit Behinderung ist eine klare und barrierefreie Verkehrsführung entscheidend. Derzeit gibt es zwei Haltestellen direkt am Bahnhof und zwei weitere an der Hauptstraße. Ein klarer Vorteil wäre, wenn künftig alle Busse am Bahnhofsvorplatz halten würden – das würde den Umstieg erheblich erleichtern und die Orientierung verbessern. Doch dieser Punkt wird bislang nicht konsequent berücksichtigt.
Hinzu kommt, dass die öffentliche, behindertengerechte Toilette fehlt – ein gravierendes Defizit für die Aufenthaltsqualität und Barrierefreiheit.
📝 Fazit
Das Projekt „Umbau Bahnhofsvorplatz“ ist zweifellos wichtig für die Mobilität in Leichlingen. Doch die steigenden Kosten, die unklare Planung, der Personalmangel in der Verwaltung, die fehlenden Lösungen für den Busverkehr und die unzureichende Berücksichtigung von Barrierefreiheit werfen Fragen auf.
Ob die Umsetzung in der Kürze der Zeit gelingt, bleibt fraglich. Vielleicht ist gerade dieser Druck notwendig, um endlich Bewegung in die Sache zu bringen – doch die Risiken sind nicht zu übersehen.
🗨️ Kommentar
Eine Förderung von 75 % klingt wie ein Geschenk. Doch Geschenke haben oft einen Haken: Wenn die Gesamtkosten explodieren, bleibt die Stadt auf dem Rest sitzen – und der Rest kann sehr groß werden.
Mutig ist es, das Projekt einfach durchzuwinken. Mutig ist es aber auch, Nein zu sagen und Prioritäten zu setzen. Schulen, Kitas und Spielplätze sind wichtiger als ein Bahnhofsvorplatz, der am Ende doppelt so teuer wird.
Die Ratsmitglieder sollten sich heute fragen: Was passiert, wenn die Rechnung nicht aufgeht? Sind wir bereit, den Preis dafür zu zahlen – oder zahlen am Ende die Kinder, die in maroden Schulen sitzen?
Und noch schärfer gefragt: Wollen wir wirklich den Bahnhofsvorplatz vergolden, während die Grundschüler weiter in bröckelnden Klassenräumen lernen?
Mut heißt manchmal Nein sagen.
Link:
Ratssitzung 25.09.2025 – Planungsvarianten Bahnhofsvorplatz Leichlingen / Vorl. vom 03.09.2025
Ratssitzung 27.11.2025 – Umbau Bahnhofvorplatz Leichlingen, Grundsatzbeschluss und außerplanmäßige Mittelbereitstellung / Vorl. vom 21.11.2025





Unnötiger Fördergeldunsinn mit restlicher Haushaltsbelastung! Parkplatzreduzierung im großen Umfang! Macht lieber die BAHN darauf aufmerksam, dass das gegenüber dem Eingang gelegene Grundstück ihr gehört und sie dort ein Hotel ausschreiben könnte/möge! Wäre super für Leichlingen und eine gute Verwertung für die klamme Bahn!