Über 40 Grad in Leichlingen – Stadt schweigt weitgehend zur Hitzewarnung

Die erste extreme Hitzewelle des Sommers 2026 mit Temperaturen von teilweise über 40 Grad war gleichzeitig der erste echte Praxistest für den Hitzeaktionsplan der Stadt Leichlingen. Gerade in einer solchen Situation zeigt sich, ob ein Konzept funktioniert – und ob die vorgesehenen Maßnahmen tatsächlich bei den Menschen ankommen.

Leichlingen war beim Thema Hitzeschutz eine der ersten Kommunen in Nordrhein-Westfalen und damit Vorreiter. Bereits 2023 ließ die Stadt mit Fördermitteln des Landes einen umfassenden Hitzeaktionsplan unter besonderer Berücksichtigung von Kindern und Seniorinnen und Senioren erstellen.

Umso größer war die Erwartung, dass der Plan bei der ersten außergewöhnlichen Hitzewelle sichtbar umgesetzt wird.

Kaum öffentliche Kommunikation

Dabei verfügt die Stadt heute über zahlreiche Kommunikationskanäle: die Internetseite, Facebook, Instagram und weitere soziale Medien. Auch Bürgermeister Maurice Winter informiert regelmäßig in seinen Freitagsvideos sowie über TikTok über aktuelle Themen.

Umso mehr fiel auf, dass weder in den Wochen vor der Hitzewelle noch während der extremen Temperaturen nennenswerte Hinweise oder Warnungen veröffentlicht wurden. Gerade die Freitagsvideos vom 19. Juni und 26. Juni hätten sich angeboten, um die Bevölkerung auf die bevorstehenden Hitzetage vorzubereiten.

Ein kurzer Appell hätte bereits viel bewirken können:

„Achten Sie auf sich und Ihre Nachbarn. Schauen Sie besonders nach älteren, kranken oder alleinlebenden Menschen. Trinken Sie ausreichend und meiden Sie die Mittagshitze.“

Solche Botschaften kosten kaum Zeit, können aber Menschen sensibilisieren und im Ernstfall Leben schützen.

Ein einzelner Beitrag reicht nicht aus

Lediglich am 4. Juni 2026 veröffentlichte die Stadt einen Facebook-Beitrag zum Hitzeaktionstag am 10. Juni auf dem Marktplatz. Dort wurde auf die zunehmenden Hitzebelastungen hingewiesen und Informationsmaterial angeboten.

Das war eine sinnvolle Aktion – sie lag jedoch mehrere Wochen vor der eigentlichen Hitzewelle.

Während der tatsächlichen Extremtemperaturen blieb es dagegen weitgehend ruhig.

Positiv ist, dass im Rahmen des Hitzeaktionsplans bereits Informationsmaterialien wie der „Hitzeknigge“, Handlungsempfehlungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Schulungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren entwickelt wurden. Das zeigt, dass fachlich bereits viele Grundlagen geschaffen wurden. Entscheidend ist jedoch, dass diese Informationen im Ernstfall möglichst viele Menschen auch tatsächlich erreichen.

Der Hitzeaktionsplan sieht deutlich mehr vor

Dabei formuliert der Hitzeaktionsplan selbst sehr konkrete Ziele. Zu den wichtigsten gehören:

  • Warnung und Information der Bevölkerung bei akuten Hitzeereignissen,
  • Auslösen strukturierter Abläufe innerhalb der Stadtverwaltung,
  • Sensibilisierung für Hitzefolgen,
  • Bereitstellung von Handlungsempfehlungen,
  • Hilfsangebote und Kontaktstellen einrichten.

Auch das Frühwarnsystem ist klar beschrieben. Grundlage sollen die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes sein.

Der Hitzeaktionsplan unterscheidet dabei drei Warnstufen:

  • Warnstufe I: starke Wärmebelastung (ab etwa 32 °C),
  • Warnstufe II: extreme Wärmebelastung (ab etwa 38 °C),
  • Warnstufe III: Wettervorhersagen von über 40 °C.

Gerade bei Warnstufe II empfiehlt der Plan ausdrücklich, die Bevölkerung zusätzlich aktiv über verschiedene Medien und Kommunikationswege zu informieren.

Als kurzfristige Maßnahmen nennt der Hitzeaktionsplan unter anderem:

  • Anschreiben der über 80-jährigen Menschen,
  • Kommunikation über Social Media und die städtische Website,
  • Informationsmaterial wie Faltblätter und Poster,
  • Öffnung kühler Orte,
  • Planung der Sporthalle Am Hammer als kühlen Aufenthaltsort.

Der Hitzeaktionsplan richtet sich dabei nicht nur an die Stadtverwaltung, sondern bezieht ausdrücklich auch Einrichtungen wie Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Schulen, Kindertagesstätten sowie weitere Multiplikatoren mit ein. Sie sollen dabei helfen, gefährdete Menschen frühzeitig zu informieren und Schutzmaßnahmen umzusetzen. Gerade deshalb ist eine gute Vernetzung und Kommunikation zwischen Stadt, Einrichtungen und Ehrenamt von besonderer Bedeutung.

Während der Hitzewelle waren viele dieser Maßnahmen für die Öffentlichkeit jedoch kaum erkennbar.

Trinkwasserspender weiterhin außer Betrieb

Hinzu kommt ein weiteres Problem:

Die defekten Trinkwasserspender waren der Stadt spätestens seit Mai 2026 über den Mängelmelder bekannt. Dennoch waren sie auch während der extremen Hitzewelle weiterhin außer Betrieb.

Gerade an Tagen mit Temperaturen von deutlich über 35 oder sogar 40 Grad wären funktionierende öffentliche Trinkwasserspender ein wichtiges Angebot gewesen.

Schwierigkeiten im Freibad

Auch das Blütenbad hatte ausgerechnet während der heißesten Tage mehrfach technische Probleme.

Besonders unglücklich war dies, weil die weiterführenden Schulen aufgrund der Hitze ihre Schülerinnen und Schüler teilweise bereits nach der vierten Unterrichtsstunde nach Hause schickten.

Hinzu kam die angekündigte Schließung vom 29. Juni bis 3. Juli, weil Chemikalien zur Wasseraufbereitung fehlten. Glücklicherweise konnten diese früher geliefert werden, sodass das Freibad bereits am 2. Juli wieder öffnen konnte.

Dennoch zeigt auch dieses Beispiel, wie wichtig funktionierende Infrastruktur gerade während extremer Hitze ist.

Kühle Orte müssen aktuell bleiben

Im Rahmen des Hitzeaktionsplans wurde eine Karte mit sogenannten kühlen Orten erstellt.

Grundsätzlich ist dies eine sehr gute Idee.

Allerdings wirkt die Karte inzwischen teilweise veraltet. So werden dort beispielsweise Geschäfte aufgeführt, die inzwischen gar nicht mehr existieren, wie etwa Kodi. Solche Angebote müssen regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, damit sich die Bürgerinnen und Bürger darauf verlassen können.

Hitze betrifft Menschen ganz konkret

Wie belastend die Situation für viele Menschen war, zeigte sich auch im Alltag der Ehrenamtlichen.

Ein Helfer von Leichlingen Hilft berichtet:

„Wir unterstützen regelmäßig ältere Menschen beim Einkaufen oder bei anderen Erledigungen. Bei einer 74-jährigen Dame war die Wohnung inzwischen so aufgeheizt, dass sie es dort kaum noch ausgehalten hat. Ich habe ihr schließlich angeboten, in unserem Gästezimmer im Keller zu übernachten.“

Solche Einzelfälle machen deutlich, dass Hitze längst kein abstraktes Klimathema mehr ist, sondern für viele Menschen eine ganz konkrete gesundheitliche Belastung darstellt.

Eine zentrale Anlaufstelle fehlt

Ein weiterer wichtiger Baustein könnte künftig eine Hitze-Notfallnummer oder zumindest eine zentrale städtische Anlaufstelle sein, an die sich Betroffene, Angehörige oder Nachbarn wenden können.

Gerade ältere Menschen, Alleinlebende oder gesundheitlich eingeschränkte Personen wissen häufig nicht, an wen sie sich in einer akuten Hitzesituation wenden können.

Hier sollte die Stadt Leichlingen auch das starke ehrenamtliche Netzwerk vor Ort aktiv einbeziehen. Vereine, Kirchengemeinden, soziale Einrichtungen und viele freiwillig Engagierte haben bereits mehrfach bewiesen, wie schnell und unkompliziert sie helfen können.

Die Flutkatastrophe in Leichlingen hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß die Hilfsbereitschaft der Menschen ist. Es mangelt in unserer Stadt nicht an Menschen, die bereit sind zu helfen. Oft scheitert Unterstützung jedoch daran, dass niemand weiß, wer Hilfe benötigt, an wen man sich wenden kann oder wie Hilfe koordiniert werden kann.

Eine zentrale Notfallnummer oder Koordinierungsstelle könnte genau diese Lücke schließen. Dort könnten Hilfegesuche entgegengenommen, Unterstützungsangebote koordiniert und – wenn erforderlich – ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gezielt vermittelt werden.

Ein solches System würde nicht nur während extremer Hitzewellen helfen, sondern könnte auch bei anderen außergewöhnlichen Lagen einen wichtigen Beitrag zum Bevölkerungsschutz leisten.

Fazit

Der Hitzeaktionsplan selbst ist fachlich gut ausgearbeitet und wurde unter Beteiligung zahlreicher Bürgerinnen und Bürger sowie verschiedener Einrichtungen entwickelt. Gerade deshalb stellt sich nach der ersten extremen Hitzewelle die Frage, welche der vorgesehenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt wurden und welche noch ausstehen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Kritik um der Kritik willen zu üben. Vielmehr sollte die erste große Hitzewelle als Chance verstanden werden, aus den gemachten Erfahrungen zu lernen und den Hitzeaktionsplan weiterzuentwickeln.

Extreme Hitze wird aufgrund des Klimawandels künftig häufiger auftreten. Umso wichtiger ist es, dass Warnungen, Informationen und konkrete Hilfsangebote die Menschen rechtzeitig erreichen – insbesondere ältere, kranke und alleinlebende Bürgerinnen und Bürger.

Ein Hitzeaktionsplan ist nur dann erfolgreich, wenn er im Ernstfall nicht nur in einem Ordner liegt, sondern sichtbar und spürbar umgesetzt wird.

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