„Laufsport für alle“ in der Balker Aue: Was wurde aus der geplanten Cross-Laufstrecke?

Aus einem Bürgerantrag von 2022 entwickelte sich ein einstimmiger politischer Auftrag und später ein konkret beschriebener Vorschlag für eine rund 900 Meter lange öffentliche Cross-Laufstrecke im Sportzentrum Balker Aue. Im August 2026 ist eine allgemeine Freigabe der Anlage jedoch weiterhin nicht erkennbar. Ob das Projekt noch weiterverfolgt wird, ist nach den vorliegenden Unterlagen ungeklärt.

Ein am 13. August 2026 aufgenommenes Foto zeigt ein Schild am Eingang der Sportstätte. Darauf heißt es:

„Die Sportstätte ist nach § 3 der Satzung über die Nutzung der städtischen Frei-, Hallen- und Sondersportanlagen ausschließlich dem Schul- und Vereinssport gewidmet. Eine anderweitige Nutzung ist untersagt.“

Als Nutzungszeiten werden täglich 8 bis 22 Uhr angegeben. Diese Zeitangabe stellt jedoch keine allgemeine Zugangsberechtigung dar.

Ausgangspunkt war ein Bürgerantrag von 2022

Die Planungen für eine öffentliche Laufmöglichkeit in der Balker Aue reichen bis zu einem Bürgerantrag vom 11. Oktober 2022 zurück. Der Antragsteller beantragte, die Sportanlage auch für Bürgerinnen und Bürger ohne Vereinsmitgliedschaft zu öffnen.

Zur Begründung verwies er auf die positiven Auswirkungen des Laufens auf die Gesundheit und auf aus seiner Sicht fehlende geeignete Trainingsmöglichkeiten außerhalb des Vereinsbetriebs. Er schilderte insbesondere, dass Jugendliche und Frauen beim Laufen im Wald Sicherheitsrisiken ausgesetzt sein könnten. Auch für berufstätige Familien seien feste Vereinszeiten häufig nur schwer mit dem Alltag vereinbar. Die Öffnungszeiten sollten deshalb auch eine private Nutzung ermöglichen, insbesondere am Wochenende.

Ausschuss erteilte einstimmigen Auftrag

Der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport beriet den Antrag am 28. Februar 2023. Die Verwaltung verwies auf die hohe Belegung der Sportanlagen durch Schulen und Vereine. Dauerhafte freie Zeitfenster gebe es praktisch nicht.

Zudem sah die Verwaltung eine erhöhte Unfallgefahr. Vereine und unabhängig Sporttreibende könnten nicht zuverlässig einschätzen, welche Bereiche der Anlage gleichzeitig von wem und mit welchen Sportgeräten genutzt würden. Außerdem wurde eine mögliche Ungleichbehandlung gegenüber Schulen und Vereinen angeführt, die für ihre Nutzung zahlten.

Der Ausschuss folgte der Empfehlung der Verwaltung, den Bürgerantrag abzulehnen, jedoch nicht. Stattdessen beauftragte er die Verwaltung einstimmig, gemeinsam mit dem Stadtsportverband „mögliche Lösungen für den Laufsport für alle in der Balker Aue oder andernorts zu finden und zur Beschlussfassung dem Ausschuss vorzulegen“.

Der Beschluss wurde mit zwölf Ja-Stimmen gefasst.

Verwaltung stellte 2024 eine Cross-Laufstrecke vor

In der öffentlichen Informationsvorlage 40-12/2024 vom 29. Oktober 2024 griff die Verwaltung diesen Auftrag auf. Nach Gesprächen mit dem Stadtsportverband, dem Tiefbauamt und dem Bauhof hatte sich das Sportzentrum Balker Aue aus Sicht der Verwaltung als geeigneter Standort herausgestellt. Andere Standorte wären demnach nur mit erheblichen Kosten verbunden gewesen.

Vorgeschlagen wurde eine rund 900 Meter lange Cross-Laufstrecke um den Natur- und Kunstrasenplatz. Auf der Wupperseite sollte sie oberhalb der Tribüne und anschließend durch ein Heckenstück in Richtung Kunstrasenplatz verlaufen. Unterschiedliche Untergründe und Höhenunterschiede sollten für eine abwechslungsreiche Strecke sorgen.

Eine Störung des Vereinssports erwartete die Verwaltung nicht. Allerdings könnten Läuferinnen und Läufer durch Bälle beeinträchtigt werden, die außerhalb der Spielfelder landen.

Der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport nahm die Ausführungen am 14. November 2024 zur Kenntnis. Eine Entscheidung über die öffentliche Freigabe war mit dieser Informationsvorlage allerdings nicht verbunden.

Welche Vorteile könnte eine öffentliche Strecke bieten?

Von einer öffentlichen Laufstrecke könnten besonders Menschen profitieren, die keinem Sportverein angehören oder nicht an feste Trainingszeiten gebunden sein möchten.

Für Laufanfängerinnen und Laufanfänger böte die rund 900 Meter lange Runde einen übersichtlichen Einstieg. Lauf- und Gehphasen könnten abgewechselt und die zurückgelegte Entfernung leicht ermittelt werden.

Erfahrene Läuferinnen und Läufer könnten die Strecke für Intervall-, Tempo- und Ausdauertraining nutzen. Auch bei der Vorbereitung auf einen Halbmarathon oder Marathon ließen sich Trainingsumfang und Rundenzeiten gut kontrollieren. Die unterschiedlichen Untergründe und Höhenunterschiede könnten zusätzlich Kraft und Koordination fördern.

Insbesondere für Frauen könnte eine ausreichend beleuchtete und gut einsehbare Strecke in den Abendstunden eine Alternative zu abgelegenen Wegen darstellen. Dieser Sicherheitsaspekt spielte bereits im Bürgerantrag von 2022 eine Rolle. Voraussetzung wären passende Öffnungszeiten, eine ausreichende Beleuchtung und ein sicherer Zugang.

Jugendliche erhielten eine weitere Möglichkeit, sich ohne Vereinsmitgliedschaft sportlich zu betätigen. Ältere Menschen könnten eine überschaubare Runde abhängig von der Beschaffenheit zum Gehen, Walken oder für ein angepasstes Ausdauertraining nutzen.

Auch für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen könnte ein zusätzliches Bewegungsangebot entstehen. Dafür müsste zumindest ein Teil der Strecke sicher, ausreichend befestigt und möglichst barrierearm gestaltet werden. Die vorgesehenen unterschiedlichen Untergründe und Höhenunterschiede könnten andernfalls ein Hindernis darstellen.

Satzung, Verkehrssicherung und Beleuchtung waren noch zu klären

Vor einer öffentlichen Freigabe mussten nach Angaben der Verwaltung mehrere Punkte geklärt werden. Dazu gehörten eine Anpassung der Satzung, die Öffnungszeiten, mögliche Schließdienste sowie die Nutzung des Flutlichts außerhalb der gebuchten Trainingszeiten.

Auch die Verkehrssicherung spielte eine wichtige Rolle. Ein Schild mit dem Hinweis „Benutzung auf eigene Gefahr“ reiche nach Einschätzung des städtischen Versicherers nicht aus. Die notwendige Verkehrssicherung sollte durch die Platzwarte des Bauhofs gewährleistet werden.

Zur Umsetzung erklärte die Verwaltung 2024:

„Die zeitliche Umsetzung dieses Vorhabens wird nun mit den zuständigen Ämtern abgestimmt.“

Die Verwaltung wollte sich außerdem vorbehalten, eine spätere öffentliche Nutzung bei Verstößen wieder rückgängig zu machen. Diese Aussage setzte eine zukünftige Freigabe der Strecke voraus.

Schild gibt § 3 der Satzung nur verkürzt wieder

Die Beschilderung verweist auf § 3 der Satzung und stellt die Sportstätte als ausschließlich dem Schul- und Vereinssport vorbehalten dar. Der Wortlaut der von der Stadt veröffentlichten Satzung ist jedoch weiter gefasst.

Danach werden die Sportanlagen folgenden Gruppen zur Verfügung gestellt:

  • Leichlinger Schulen,
  • Sportverbänden und Vereinen, die Mitglied im Stadtsportverband Leichlingen sind,
  • sonstigen Gruppen nach einer Einzelfallprüfung.

Über eine anderweitige Nutzung im Einzelfall entscheidet der zuständige Fachbereich der Stadt, gegebenenfalls in Abstimmung mit dem Stadtsportverband. Die Nutzung muss grundsätzlich beantragt und genehmigt werden. Für sonstige Nutzer ist zudem eine verantwortliche Aufsichtsperson vorgesehen.

Das Schild bildet diese Möglichkeiten nur verkürzt ab. Eine allgemeine, ohne Antrag zugängliche Laufstrecke sieht die geltende Satzung allerdings ebenfalls nicht ausdrücklich vor. Einzelne Bürgerinnen und Bürger können daraus daher kein Recht auf einen freien Zugang ableiten.

Das erklärt auch, warum die Verwaltung bereits 2024 eine Anpassung der Satzung als Voraussetzung für die öffentliche Freigabe bezeichnete.

Projektstatus bleibt offen

Die Entwicklung ist durch öffentliche Unterlagen nachvollziehbar:

  • Im Oktober 2022 wurde die Öffnung der Sportanlage für Bürgerinnen und Bürger beantragt.
  • Im Februar 2023 erteilte der Ausschuss einstimmig den Auftrag, eine Lösung für den „Laufsport für alle“ zu finden.
  • Im Oktober 2024 stellte die Verwaltung eine rund 900 Meter lange Cross-Laufstrecke vor.
  • Im August 2026 besteht nach der sichtbaren Beschilderung weiterhin keine erkennbare allgemeine Freigabe.

Auch auf der aktuellen Übersichtsseite der Stadt zum Sportzentrum Balker Aue wird eine öffentliche Cross-Laufstrecke nicht erwähnt. Allein daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass das Vorhaben endgültig aufgegeben wurde.

Nach den vorliegenden Unterlagen bleibt offen, ob das Projekt weiterhin verfolgt wird. Fast vier Jahre nach dem Bürgerantrag und mehr als drei Jahre nach dem einstimmigen Auftrag des Ausschusses ist damit weiterhin ungeklärt, was aus dem geplanten „Laufsport für alle“ geworden ist.

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