Gelbe Säcke für Dritte: Unbürokratische Hilfe oder neues Formular?

Ein aktueller Antrag soll es Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, Gelbe Säcke auch für andere Personen abzuholen. Profitieren sollen insbesondere ältere, mobilitätseingeschränkte oder beruflich verhinderte Menschen. Doch ist eine Vollmacht tatsächlich die unbürokratischste Lösung – oder müsste echte Unterstützung noch einen Schritt weitergehen?

Ausgabe seit 2026 ohne Gutscheine

Seit dem 1. Januar 2026 werden Gelbe Säcke in Leichlingen ohne Gutscheine ausgegeben. Nach den offiziellen Angaben des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes ist die Ausgabe auf eine Rolle mit 15 Säcken je Abholung begrenzt.

Damit soll verhindert werden, dass größere Mengen mitgenommen oder die Säcke zweckentfremdet werden. Gleichzeitig kann diese Begrenzung jedoch zum Problem werden, wenn ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen eine Ausgabestelle nicht selbst erreichen können.

Ein aktueller Antrag fordert deshalb, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Bergischen Abfallwirtschaftsverband prüft, wie Gelbe Säcke künftig auch für andere Personen abgeholt werden können. Als mögliche Lösungen werden eine einfache Vollmacht oder ein Formular genannt, das über die Internetseite der Stadt oder des BAV bereitgestellt werden könnte.

Ist eine Vollmacht wirklich unbürokratisch?

Das Anliegen ist grundsätzlich sinnvoll. Eine Vollmacht oder ein zusätzliches Formular würde allerdings auch neue Hürden schaffen. Die betroffene Person müsste das Dokument ausfüllen und unterschreiben, die helfende Person müsste es mitbringen und die Ausgabestelle müsste den Nachweis kontrollieren.

Gerade ältere Menschen verfügen nicht immer über einen Drucker oder einen sicheren Zugang zum Internet. Ein Formular, das zunächst heruntergeladen, ausgedruckt und anschließend weitergegeben werden muss, wäre daher nicht für alle Menschen eine einfache Lösung.

Auch die Arbeit der Angehörigen, Nachbarn oder ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer würde dadurch erschwert. Sie müssten das Formular möglicherweise selbst herunterladen und ausdrucken, es zur betroffenen Person bringen, gemeinsam mit ihr ausfüllen und anschließend bei der Ausgabestelle vorlegen. Aus einer kurzen und unkomplizierten Hilfe könnten dadurch mehrere zusätzliche Schritte und Wege entstehen.

Hinzu kommt, dass die Abholung für Dritte offenbar bereits heute teilweise unkompliziert ermöglicht wird. Nach Erfahrungen von Leichlingen Hilft e.V. genügte es bislang, an der Ausgabestelle kurz zu erklären, dass mehrere Rollen für ältere Damen benötigt werden. Auf diese Weise konnten beispielsweise fünf Rollen ohne Vollmachten oder zusätzliche Formulare mitgenommen werden.

Diese Praxis zeigt, dass pragmatische Ausnahmen bereits möglich sind. Bevor neue Nachweise eingeführt werden, sollte daher zunächst geklärt werden, ob eine solche Regelung offiziell festgelegt und an allen Ausgabestellen einheitlich angewendet werden kann. Möglicherweise besteht eine entsprechende Regelung bereits, ist aber nicht überall bekannt oder wird unterschiedlich gehandhabt.

Wirkliche Hilfe würde Selbstständigkeit ermöglichen

Die Abholung durch Angehörige, Nachbarn oder Ehrenamtliche kann eine wichtige Unterstützung sein. Sie löst das eigentliche Problem aber nur teilweise: Die betroffenen Menschen bleiben weiterhin auf die Hilfe Dritter angewiesen.

Eine weitergehende Lösung könnte es älteren oder mobilitätseingeschränkten Menschen ermöglichen, eine Rolle Gelbe Säcke selbstständig telefonisch oder online zu bestellen. Die Rolle könnte anschließend bei der nächsten Müllabfuhr mitgebracht und an einem vereinbarten, geschützten Ort auf dem Grundstück abgelegt oder der betroffenen Person persönlich übergeben werden.

Für die telefonische Bestellung könnte möglicherweise die neue KI-gestützte Telefonassistenz der Stadt genutzt werden. Sie ist seit dem 6. August 2026 unter der zentralen Rufnummer 02175 992-0 erreichbar. Bislang kann sie häufige Fragen beantworten, Anliegen erfassen und während der Öffnungszeiten an die zuständigen Beschäftigten weiterleiten.

Damit darüber auch verbindlich Gelbe Säcke bestellt werden könnten, müsste der Service um ein entsprechendes Bestellverfahren erweitert werden. Parallel sollte ein einfaches Onlineformular angeboten werden. Dieses müsste nicht ausgedruckt oder unterschrieben werden, sondern sollte die Bestellung direkt übermitteln. So könnten Bürgerinnen und Bürger selbst wählen, ob sie ihre Bestellung telefonisch oder digital aufgeben möchten.

Begrenzung auch ohne aufwendige Nachweise möglich

Um eine übermäßige Bestellung zu verhindern, könnte die Lieferung beispielsweise auf eine Rolle pro Haushalt innerhalb eines festgelegten Zeitraums begrenzt werden. Die Anschrift des Haushalts könnte für diese Kontrolle ausreichen. Auf medizinische Nachweise, ausführliche Begründungen oder zusätzliche Vollmachten könnte damit verzichtet werden.

Ob eine Mitlieferung bei der nächsten Abfuhr praktisch umsetzbar ist, müssten die Stadt Leichlingen, der BAV und das für die Gelben Säcke zuständige Entsorgungsunternehmen REVEA gemeinsam prüfen.

Eine solche Lösung wäre mehr als Nachbarschaftshilfe: Sie würde den betroffenen Menschen ermöglichen, ihre Gelben Säcke selbstständig anzufordern. Denn wirkliche Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, die Hilfe durch Dritte zu erleichtern, sondern Abhängigkeiten möglichst zu vermeiden und die Eigenständigkeit der Menschen zu erhalten.

Symbolbild: Bestellung und Lieferung Gelber Säcke (KI-generiert)
Symbolbild: Bestellung und Lieferung Gelber Säcke (KI-generiert)
Gelbe Säcke für Dritte: Unbürokratische Hilfe oder neues Formular? - 1